Vitamin B12, German Translation

Vitamin B12: Ein unerlässlicher Nährstoff für gute Gesundheit

Original English Version

Von Sally Fallon und Dr. Mary G. Enig
German Translation by Erich Studerus

Einer der wichtigsten Nährstoffe, die wir aus tierischen Nahrungsmitteln beziehen, ist Vitamin B12. Dieses Vitamin ist auch das grösste bekannte Biomolekül und der einzige Nährstoff mit einer stabilen Kohlenstoff-Metall-Verbindung. Ein Kobalt-Molekül liegt im Zentrum von jedem B12-Molekül, welches die ungefähre (und erfurchtgebietende!) Formel 64H84-90N14O13-14PCo besitzt. Isoliertes B12 ist eine kristalline Verbindung, die aufgrund des darin vorhandenen Kobalts eine hellrote Farbe aufweist. Ein Fachmann bezeichnete B12 deshalb als “diese roten Tropfen, die traurige Herzen aufmuntern und schwache Herzen stärken”.1

Vitamin B12 ist zusammen mit Folsäure an vielen Körperprozessen beteiligt, inklusive der Herstellung von DNA, roten Blutkörperchen und der Isolierschicht (Myelin), welche Nervenzellen umgibt und die Weiterleitung von Signalen im Nervensystem erleichtert. Eine schwerer Mangel zeigt sich als perniziöse Anämie, eine Krankheit, die bis zur Entdeckung von Vitamin B12 in der Leber jeweils tödlich verlief. Aber lange bevor die Anämie beginnt, können sich andere Zustände zeigen, meistens neurologische Probleme (Gefühllosigkeit, Empfindungen von “Ameisenlaufen”, ein brennendes Gefühl in den Füssen, Zittern, Muskelschwäche, Schlafstörungen, Gedächtnisverlust, irrationale Ängste, Beeinträchtigung mentaler Funktionen und Alzheimer) oder psychologische Zustandsbilder (Demenz, Depression, Psychose und Zwangsstörung). Präsident Kennedy soll einst gesagt haben, er wäre ohne Injektionen von B12 nie Präsident geworden.2

Absorption

Die Absorption von Vitamin B12 ist ein komplexer Prozess, der in vielen Punkten Problemen unterworfen ist.

B12 von tierischen Nahrungsmitteln betritt den Magen als Teil von tierischen Proteinen und muss zuerst durch Pepsin und Salzsäure aufgeschlossen werden. Freies B12 lagert sich dann an R-Proteine an, welche von Speichel- und Parietalzellen (die gleichen Zellen, die Salzsäure ausscheiden) freigesetzt werden. Um effizient absorbiert zu werden, muss sich B12 an ein Protein (intrinsischer Faktor genannt) anheften, welches ebenfalls im Magen gebildet wird. Dies kann nur dann geschehen, wenn die R-Protein-Komplexe durch Pankreas-Enzyme im Dünndarm aufgespaltet wurden. B12 bindet sich dann mit dem intrinsischen Faktor und bewegt sich durch den Darm fort zum unterem Abschnitt des Dünndarms, wo sich der intrinsische Faktor-B12-Komplex an Zellrezeptoren bindet. Für diesen Vorgang wird Kalzium benötigt.

Mängel an Pepsin, Salzsäure, R-Protein, Pankreasenzyme, intrinsischer Faktor, Kalzium und Zellrezeptoren können deshalb alle zu einem B12-Mangel führen, indem sie die B12-Aufnahme blockieren. Wenn Vitamin-B12 im Blut angelangt ist, binden sich Transportproteine an B12 und bringen es zu den Zellen. Innerhalb der Zellen befreien Enzyme das B12 vom Protein-Komplex und wandeln es in seine zwei Koenzym-Formen um, Methylcobalamin und Adenosylcobalamin. Mängel der beiden Enzyme können diese Umwandlung blockieren.

Weil der Absorptionsprozess so kompliziert und infolgedessen vielen Blockierungen unterworfen sein kann, entwickeln viele Leute – besonders ältere – B12-Mängel, obwohl sie mit ihrer Nahrung reichlich Vitamin B12 zuführen. Glücklicherweise nimmt der Körper ca. 1-5 Prozent des freien Vitamin B12 durch einen passiven Diffusionsprozess auf. Die Supplementierung von hohen Dosen kristallinem B12 oder das Essen von Nahrungsmitteln, die extrem reich an Vitamin B12 sind, können deshalb erfolgreich Defizite beheben, die durch eingeschränkte Proteinverdauung oder Mangel an R-Protein, Intrinsicher Faktor oder Pankreas-Enzyme verursacht sind. Eine Supplementierung mit den Koenzym-Formen Methylcobolamin und Adenosylcobolamin (die Formen, die in den Zellen vorgefunden werden) können B12-Mängel in den Zellen überwinden, die durch Mängel oder Fehlfunktionen von Konversionsenzymen verursacht werden.

Vegetarier

B12 wird fast ausschliesslich in tierischen Nahrungsmitteln, wie Leber, Nieren, Fleisch, Fisch, Muscheln, Milchprodukten und Eiern gefunden. Die ursprüngliche Quelle von B12 in der Natur sind jedoch Bakterien. Sie sind die einzigen Lebewesen, die fähig sind, dieses Vitamin herzustellen. Bei Menschen und Tieren produzieren diese Bakterien B12 im Darm. Wenn überhaupt, so wird aber nur ganz wenig durch die Darmwand aufgenommen. Wir müssen deshalb unser B12 durch tierische Nahrungsmitteln beziehen. Zweischalige Weichtiere, wie Muscheln und Austern enthalten sehr viel B12, weil sie grosse Mengen von Vitamin B12 produzierenden Mikroorganismen aus dem Meer abschöpfen.3
Bei der Produktion von B12-Ergänzungsmittel sind ähnliche Fermentationsprozesse beteiligt, wie bei der Produktion von Penicillin und anderen Antibiotika.

Während Eier B12 enthalten, finden sich in ihnen interessanterweise auch Substanzen, die die Absorption blockieren4, eine Tatsache, die nur noch Milchprodukte als gute Quelle von B12 für Vegetarier übrig lässt. Einige Studien weisen darauf hin, dass B12 von Milch besser absorbiert wird als von Fleisch.5 Eine Quelle deutet jedoch darauf hin, dass B12 in der Milch durch Erhitzen zerstört wird.6 Analysen von B12 in pasteurisierter Milch fanden nur einen Verlust von 10%. Die Pasteurisierung der Milch deformiert jedoch Milchproteine, die bei der Aufnahme von B12 helfen.7

Interessanterweise behaupten einige Quellen, dass die Fermentierung von Milch zu Yoghurt den B12 Gehalt verringert8, obwohl auf Nahrungsmitteltabellen bei kommerzieller Milch und Yoghurt ähnliche Werte aufgeführt sind.

Das Vitamin B12 Molekül widersteht Temperaturen über den Siedepunkt hinaus, sofern es nicht einem basischen Mittel ausgesetzt ist. Das Molekül zerfällt bei 250° C. B12 wird deshalb an der Oberfläche von gegrilltem Fleisch zerstört, jedoch nicht im Innern. Acht Prozent des B12 von Leber, wird durch 5-minütiges Kochen zerstört.9 B12 wird deshalb am besten erhalten, wenn Steaks sanft geschmort und gekocht werden.

Bis vor kurzem wurde in der vegetarischen und veganischen Literatur behauptet, dass bestimmte pflanzliche Nahrungsmittel B12 liefern würden – Meeresalgen, fermentierte Sojabohnen, Spirulina und sogar ungewaschenes Gemüse, das durch Mist gedüngt wurde. Befürworter des Vegetarismus wiesen auf die Einwohner Indiens hin, welche keine B12-Mangel-Symtome zu zeigen scheinen, obwohl sie nur sehr wenig tierische Nahrungsmittel essen. Dennoch hat schon 1974 eine amerikanische Studie herausgefunden, dass 92% der Vegetarier, 64% der Lacto-Vegetarier, 47% der Ovo-Lacto-Vegetarier und 20% der Halb-Vegetarier Blutspiegel haben, die unter dem Normalwert sind, d.h. unterhalb des unteren Bereichs, welcher den Beginn von perniziöser Anämie markiert.10

Heutzutage wird in der meisten vegetarischen Literatur vor der realen Möglichkeit eines B12-Mangels gewarnt und eine regelmässige Ergänzung empfohlen. Wir wissen nun, dass in der tropischen, überwiegend vegetarischen Ernährung Indiens Exkremente und Teile von Insekten in gelagertem Getreide und Hülsenfrüchten eine Quelle von B12 war.11 Diese waren bis zum Aufkommen moderner Sterilisations- und Lagertechniken ein unvermeidbarer Bestandteil von traditioneller Nahrung heisser Klimata. Pflanzliche Nahrungsmittel, die als Quellen von B12 bezeichnet wurden, enthalten B12-Analoga (Kobamide genannt) – Substanzen, die die Aufnahme von echtem B12 blockieren und den körperlichen Bedarf dieses Nährstoffs erhöhen.12 Eine überraschende Quelle von Kobamiden ist eine bakterielle Überbesiedlung im Dünndarm, welche B12-Analoga produzieren kann.13 Der Gebrauch von Antibiotika oder eine Ernährung, die reich an raffinierten Kohlenhydraten ist, kann eine bakterielle Überbesiedlung begünstigen und zu einem B12-Mangel führen.

Auch Multivitamin-Produkte geben Grund zur Sorge! Der späte Victor Herbert, ein bekannter B12-Forscher vertrat die Meinung, dass viele Multivitaminprodukte künstliche und sogar gefährliche Analoga von B12 enthalten würden. Diese entstehen möglicherweise durch die Interaktion mit anderen Nährstoffen, wie z.B. Vitamin C, Eisen und Kupfer.14

Hohe Spiegel von Folsäure können bei Personen mit B12-Mangel neuropsychiatrische Komplikationen verstärken.15 Da die Einnahme von Folsäure bei Vegetariern tendenziell hoch ist (durch grünes Gemüse und Getreideprodukte, die mit Folsäure angereichert sind), sind diejenigen, die einen vegetarischen Lebensstil pflegen, möglicherweise einem grösseren Risiko neurologischer und psychologischer Probleme ausgesetzt.

Der Körper speichert beträchtliche Mengen B12 in der Leber. Deshalb kann es 5-10 Jahre dauern, bis Mangelsymptome infolge einer vegetarischen Ernährung (oder Absorptionsproblemen) auftreten. Interessanterweise kann der Körper über 75% des B12, das er verbraucht, wiederverwerten.16 Gebrauchtes B12 wird durch die Galle ausgeschieden und dann im Dünndarm durch den gleichen komplexen Vorgang, der weiter oben beschrieben wurde, wieder aufgenommen. Einige Leute haben ein effizienteres Wiederverwertungssystem als andere und können deshalb länger eine vegetarische Ernährung befolgen, ohne Mangelsymptome zu entwickeln. Bei einer hohen Ballaststoffzufuhr – und dies trifft bei vegetarischer Ernährung gewöhnlich zu – wird jedoch mehr B12 ausgeschieden.17

Eine veganische oder vegetarische Ernährung stellt für wachsende Kinder eine echte Gefahr dar, da ihre B12 Speicher sehr tief sind, besonders wenn ihre Mütter während der Schwangerschaft und Stillzeit tierische Nahrungsmittel gemieden haben. In der Literatur finden sich zahlreiche Fallberichte, in denen schwere Anämien, dramatische Wachstumsverzögerungen, Unruhe und Verzögerung in der Aneignung von motorischen Fertigkeiten bei Kindern mit B12-Mangel aus vegetarischen Familien beschrieben sind.

In einer kürzlich durchgeführten Studie haben Forscher die kognitive Entwicklung von 72 Kindern untersucht, die mindestens bis zum Alter von sechs Jahren keine tierischen Nahrungsmittel, später dann Milchprodukte und Eier gegessen hatten. Verglichen mit Kindern, die während ihres ganzen Lebens eine normale Mischkost (inklusive Fleisch) gegessen hatten, schnitten sie in diversen kognitiven Tests wesentlich schlechter ab – so etwa in Tests zur Messung räumlicher Fähigkeiten, Kurzzeitgedächtnis und flüssiger Intelligenz (Fähigkeit komplexe Probleme zu lösen, abstraktes Denken und Lernfähigkeit).18

Die Messung von B12-Mangel

Die amerikanische Ärzteschaft definiert Blutspiegel unter 200pg/ml als eine Indikation für B12-Mangel. Ein solch niedriger Blutspiegel geht in der Regel mit schweren Mangelsymptomen, der sog. perniziösen Anämie einher.

Im Gegensatz dazu wird die untere Grenze in Japan und in einigen europäischen Ländern bei 500-550 pg/ml angesetzt, ein Blutspiegel, der mit psychologischen und verhaltensmässigen Manifestationen wie Demenz und Gedächtnisschwund verbunden ist. Ärzte dieser Länder betrachten Blutspiegel von 500-1300 als normal.19

Gemäss Dr. John Dommisse, ein Experte in Sachen B12-Mangel, erklärt sich die im Vergleich zu den USA niedrigere Alzheimer-Demenz Rate in Japan dadurch, dass höhere B12-Spiegel als Norm definiert sind und psychiatrische Symptome rascher mit B12 behandelt werden.20

Sogar mit dem sehr tiefen Grenzwert, der zur Zeit für eine Risikoschwelle gehalten wird, sind viele Amerikaner mangelhaft versorgt. In der laufenden Framingham Offspring Studie, an der 3000 Männer und Frauen aus der Stadt Framingham, Massachusetts, beteiligt sind, fanden Forscher, dass 39% der Leute einen B12-Spiegel aufwiesen, der im sog “tiefen Normalbereich” liegt. Das ist unterhalb von 258.21 Hätten die Forscher den optimalen Bereich bei 1100-1300 angesetzt, hätte man nur wenige als ausreichend versorgt bezeichnen können.

Eines der überraschendsten Ergebnisse dieser Studie war die Tatsache, dass die jüngste Gruppe (26-49 Jahre alt) ungefähr den gleichen B12-Status hatte, wie die älteste Gruppe (65 und älter), ein Anzeichen, dass Mängel häufiger werden.

Perniziöse Anämie

Perniziöse (d.h. “tödliche”) Anämie tritt auf, wenn eine Person kein B12 aufnehmen kann, weil ihr der intrinsische Faktor fehlt. Die häufigste zugrundeliegende Ursache einer perniziösen Anämie ist eine Autoimmun-Reaktion, die die Magenzellen attackiert und zerstört, welche den intrinsischen Faktor produzieren. Die Krankheit ist gekennzeichnet durch unreife, abnormal grosse rote Blutkörperchen (Makrocyten), die Sauerstoff schlecht transportieren, sowie durch weisse Blutkörperchen mit abnormalen Zellkernen.

Frühe Symptome der perniziösen Anämie beinhalten Blässe, Schwäche und Müdigkeit. Schwere perniziöse Anämie verursacht Kurzatmigkeit, Schwindel und ein schneller Herzschlag.

Diejenigen, die an perniziöser Anämie leiden, brauchen sehr hohe Mengen B12, um den Mangel an intrinsischem Faktor zu überwinden. Die traditionelle Behandlung war ein Pfund Kalbsleber pro Tag, welche fast 200 Microgramm B12 liefert. Heute verabreichen Ärzte Injektionen oder Nahrungsergänzungsmittel mit noch höheren Dosen.

Symptome des Alterns

B12 Mangel imitiert viele Merkmale des hohen Alters – Ataxie (zittrige Bewegungen, schwankender Gang), Muskelschwäche, Spastizität, Inkontinenz, langsame Reaktion, Gedächtnisschwund, Orientierungslosigkeit, Depression und Verwirrtheit, dies alles kann bei niedrigem B12-Spiegel auftreten.

Ob die Alzheimer-Erkrankung ein Zustand eines B12-Mangels darstellt, ist Gegenstand einer grösseren Debatte unter Ärzten. Eine faszinierende Studie über eine Familie in Wales hat kürzlich überzeugende Hinweise geliefert, dass B12-Mangel und Alzheimer miteinander verbunden sind.22

Forscher bewerteten Familienmitglieder mit einer genetischen Veranlagung, an Alzheimer zu erkranken. Sie fanden heraus, dass 4 von 6 Familienmitgliedern (67%) mit bestätigter Alzheimererkrankung aussergewöhnlich tiefe Vitamin B12-Spiegel hatten, während nur gerade einer von 12 an Alzheimer erkrankte, die das gleiche genetische Risiko hatten, aber keine tiefen B12-Spiegel aufwiesen. Die Forscher spekulierten, dass ein Vitamin B12-Mangel zu beeinträchtigten Methylierungs-Reaktionen im zentralen Nervensystem (ein charakteristisches Merkmal von Alzheimer) geführt haben könnte, sowie, dass die genetische Veranlagung zu Alzheimer mit einer genetischen Beeinträchtigung der B12-Aufnahme verbunden sein könnte.

Forscher fanden einen B12-Mangel bei 3-42 Prozent der Leute, die 65 oder älter sind. In einer neuen Studie über geriatrische Patienten hatten 43 Prozent Spiegel, die tiefer als 295pmol/L waren.23 Würden höhere Grenzwerte angesetzt, so würden wahrscheinlich die meisten älteren Leute als unterversorgt gelten.

Die heutige medizinische Praxis ist auf Cholesterin als den Marker guter Gesundheit fixiert. Sie verwendet teure, lebenslängliche Medikamente und fade Diäten um die Cholesterinwerte so tief als möglich runterzubringen, eine Vorgehensweise die unsägliches Leid für Millionen und unserem medizinischen System eine riesige finanzielle Last aufgebürdet hat. Wie viel angemessener und kostengünstiger wäre es, jedermann, der das Alter von 50 Jahren erreicht, auf B12 zu testen. Für ein Bruchteil der Kosten, könnte das hohe Alter in eine Periode von Ruhe und Zufriedenheit umgewandelt werden, anstatt in eine von herzzerbrechendem Leid für die Älteren und ihre Familien.

Die Forschung zeigt ein enormes Potential von B12 zur Umkehrung von mentalem Abbau im Alter. In einer Studie hatten 61 Prozent der Patienten mit mentaler Beeinträchtigung eine komplette Erholung durch B12-Supplementierung. Die Forscher spekulierten, dass diejenigen, die sich nicht erholt haben, zu lange an einem Mangel gelitten hatten, so dass irreversible Schäden am Nervensystem entstanden.24 Eine Supplementierung führt zu geringen Verbesserungen bei denen, die eine voll ausgebrochene Alzheimer-Erkrankung während länger als 6 Monaten hatten.25 Eine routinemässige frühe Testung von B12 hätte deshalb das Potential, den mentalen Abbau bei einem grossen Teil der älteren Leute zu verhindern. Zum Zeitpunkt, wo Alzheimer eindeutig diagnostiziert wird, ist es möglicherweise schon zu spät, als dass eine Supplementierung noch effektiv wäre.

Herzkrankheiten

Es war Dr. Kilmer McCully, der einen hohen Homocystein-Spiegel im Blut als einen Marker für Herzkrankheiten aufgedeckt hat. Homocystein wird im Körper aus Methionin durch einen Prozess hergestellt, der durch Folsäure, B6 und B12 blockiert werden kann. Hohe Homocystein-Spiegel können zu einer Verengung der Arterien führen, was für einen Vorläufer der Arteriosklerose gehalten wird. Forscher in Taiwan berichten nun, dass eine Homocystein-induzierte Gefässverengung durch eine Supplementierung von Folsäure, B6 und B12 verhindert werden kann.26 Ironischerweise haben der amerikanische Herzverband und Regierungsbehörden B12-reiche Nahrungsmittel wie Leber und Rohmilch (was auch eine gute Quelle von B6 ist) verteufelt.

Krebs

Da B12 hilft, die durch Strahlung und Oxidierung beschädigte DNS zu reparieren, spielt es eine Rolle beim Schutz gegen Krebs. In Humanstudien sind tiefe B12-Spiegel mit Gebärmutterhals-27 und Brustkrebs28 assoziiert.

Die Forschungsergebnisse zu B12 und Krebs sind jedoch widersprüchlich. In einer Studie waren hohe B12-Spiegel mit einem dreifach erhöhten Risiko verbunden, an Prostata-Krebs zu erkranken.29

Eine Erklärung für diese Ungleichheiten liegt darin begründet, dass Krebszellen Rezeptoren entwickeln, die es ihnen erlauben, grosse Mengen B12 aufzunehmen. Tatsächlich suchen Forscher nach Krebsmedikamenten, die B12 mit Zellgiften wie z.B. Stickoxid verbinden. In der Tumorzelle wird die Stickoxid-Komponente des Medikaments freigesetzt, was zu zellulären Ereignissen führt, die einen programmierten Zelltod bewirken.30

Dennoch wurde in einer neuen Studie gezeigt, dass Injektionen von hohen Dosen Methylcobalamin ungiftig waren und das Tumorwachstum bei Mäusen, die B12-mangelernährt waren, unterdrückte.31

Ganzheitliche Ärzte berichteten zudem von guten Resultaten bei der Behandlung von Krebspatienten mit B12. Dr. Max Gerson, der Krebspatienten im Endstadium mit aussergewöhnlichem Erfolg behandelte, gab seinen Patienten Leber-Injektionen, oft kombiniert mit zusätzlichem B12.32

Neurologische Krankheiten

Eine Krankheit, bei der ein Zusammenhang mit B12 offensichtlich scheint, ist Multiple Sklerose (MS). Charakteristisch für MS ist ein Abbau von Myelin (fetthaltige Umhüllungen der Nervenzellen). Obwohl viele Studien gezeigt haben, dass MS-Patienten normale B12-Spiegel haben, fanden japanische Forscher, dass bei MS-Patienten die Fähigkeit, Vitamin B12 zu binden, reduziert ist.33 Der Transport von B12 in die Zellen wird somit trotz normalen Blutspiegeln behindert. Durch eine Zufuhr von hohen Dosen B12 konnten die Forscher allerdings eine gewisse Verbesserung erzielen.

Der Nutzen von B12 in der Behandlung von Depressionen könnte darauf beruhen, dass B12 die Fähigkeit besitzt, eine Substanz namens Tetrahydrobiopterin (BH4) zu aktivieren, welche ihrerseits “Wohlfühl”-Botenstoffe wie Serotonin und Dopamin aktiviert.34

Überraschenderweise hat sich B12 auch in der Behandlung von diabetischer Neuropathie erfolgreich gezeigt, möglicherweise weil eine Diabetes-Erkrankung den B12-Stoffwechsel stört. 35

Wiederholte epileptische Anfälle könnten eine Manifestation von B12-Mangel sein. In einer Studie wurden bei Leuten, die unter epileptischen Anfällen litten, niedrige B12-Spiegel gefunden. 36

Andere neurologische Probleme, die mit B12-Mangel assoziiert sind, sind Urin-Inkontinenz37 und Migräne38. In einer Fallstudie zur Behandlung von Gesichtslähmung (Bell’s Palsy) funktionierte B12 besser als die standardmässige Steroid-Behandlung39. In einer anderen Fallstudie wird von einer erfolgreichen Anwendung von B12 bei orthostatischem Tremor berichtet.40

Fruchtbarkeit

B12 spielt eine entscheidende Rolle in der Zellteilung. Es ist deshalb nicht verwunderlich, dass sich ein B12-Mangel in einer niedrigen Spermienzahl manifestieren kann. Hohe Dosen sind der Schlüssel zu einer erfolgreichen Behandlung. In einer Studie wurde täglich 1000mcg Vitamin B12 an Männer abgegeben, die eine Spermienanzahl von weniger als 20 Millionen hatten. 27% der Männer konnten dadurch ihre Spermienanzahl auf über 100 Millionen steigern.41 In einer anderen Studie wurde täglich 6000mcg abgegeben. 57% der Männer mit niedriger Spermienzahl zeigten eine Verbesserung.42

Da eine perniziöse Anämie oft zu Unfruchtbarkeit führt, kann eine Ergänzung mit B12 in gewissen Fällen einer Frau zur Empfängnis verhelfen. Traditionelle Kulturen betrachteten Nahrungsmittel, die viel B12 enthalten, als wichtig für die Fruchtbarkeit. B12 spielt eine Schlüsselrolle in der Entwicklung von neuem Gewebe. Frauen, die mangelhaft versorgt sind, können deshalb keinen Eisprung bekommen, oder ein befruchtetes Ei kann sich nicht entwickeln, was zu einer Fehlgeburt führt. In einer Fallstudie wurde berichtet, dass eine Frau sieben Fehlgeburten erlitt, bevor sie entdeckte, dass ein B12-Mangel vorlag. Nachdem das Problem behoben wurde, brachte sie 3 Kinder zur Welt.43

Andere Krankheiten:

  • Die Aktivität von Osteoblasten (Knochenmutterzellen) hängt von B12 ab. Der Stoffwechsel der Knochen wird durch einen B12-Mangel beeinträchtigt.44 Niedrige B12-Werte sind mit Osteoporose assoziiert45, und B12-Ergänzungsmittel können helfen, die Knochen zu remineralisieren.46
  • Ein B12-Mangel zeigt sich in 10-35 Prozent von Patienten, die auf HIV positiv getestet wurden. Dies wird auf verschiedene Faktoren zurückgeführt: Niedrige Zufuhr, verminderte Absorption und erhöhter Verbrauch durch bestimmte Medikamente, wie z.B. AZT. B12-Mängel verschlimmern die neurologischen Symptome von AIDS. Interessant ist die Tatsache, dass B12 die Vermehrung des HIV-Virus stört. Eine Ergänzung mit B12 kann deshalb sowohl als Therapie gegen die Virenvermehrung als auch als Therapie gegen die üblichen AIDS-Symptome dienen.47
  • B12 hat sich in der Behandlung von Asthma als wirkungsvoll gezeigt, insbesondere in Fällen, in denen die Asthma auf einer Sulphit-Empfindlichkeit beruhte.48
  • Von Forschern aus Deutschland wurde berichtet, Vitamin B12 als Teil der Behandlung bei zahlreichen Hautkrankheiten erfolgreich eingesetzt zu haben, so z.B. bei Nesselfieber, Seborrhoe, Dermatitis, Ekzeme, Gürtelrose und Lupus.49 Ein Artikel in einer Fachzeitschrift beschreibt eine erfolgreiche Behandlung bei Schuppenflechte.50 Sehr hohe Dosen waren nötig – 30 Injektionen mit jeweils 1000mcg. B12 wurde sowohl bei Hypopigmentation (Vitiligo) als auch bei Hyperpigmentation eingesetzt.51
  • Die Kohlenhydratstörung bei Diabetes kann auf einen B12-Mangel hinweisen. B12 wurde als nützliche Begleittherapie bei Diabetikern angewendet.52
  • Die Russen nahmen bei der Verwendung von B12 in der Behandlung von grünem Star eine Pionierrolle ein. In einer Gruppe von 46 Leuten, die täglich 100mcg B12 erhielten, wurden bei der Hälfte der Leute Verbesserungen beobachtet.53 Ein japanischer Arzt fand, dass B12-Injektionen verschiedene Sehprobleme verbessern.54
  • Taubheit ist mit B12-Mangel assoziiert. B12-Ergänzungen waren bei der Behandlung von Tinnitus und lärmbedingten Hörverlusten von Nutzen.55
  • B12-Mängel bei schwangeren Frauen wurden als Faktor bei der Entstehung von Neuralrohrdefekten, wie die Spina Bifida, genannt.56 Dies gibt Anlass zu echter Sorge bzgl. Antibabypillen, welche B12 im Körper entleeren.57 Frauen, die die Antibabypille genommen haben, sollten ihren B12-Spiegel testen und soweit notwendig B12 ergänzen, bevor sie schwanger werden.
  • B12 könnte für die Immunantwort notwendig sein.58 Niedrige Spiegel sind mit beeinträchtigter Immunität und höherem Infektionsrisiko assoziiert.59
  • Schimmelpilzgifte stören die B12-Funktion. Dies erklärt, warum Reaktionen auf Schimmelpilze häufig mit neurologischen Problemen einhergehen.60 Pestizide und Chemikalien erschöpfen die B12-Reserven des Körpers. Umgekehrt können hohe Dosen B12 vor diesen Fremdgiften schützen.61
  • B12-Injektionen waren bei der Behandlung von viraler Hepatitis von Nutzen.62
  • Schliesslich kann eine Behandlung mit B12 bei Schlafstörungen helfen, da dieser Nährstoff bei der Bildung von Melatonin beteiligt ist.63

Eine Ausnahme von der Regel

Auf unseren Seiten haben wir immer wieder geraten, Vitamine eher aus der Nahrung (inkl. “Supernahrung”) als über Nahrungsergänzungsmittel zu beziehen. Ein guter Grund, Nahrungsergänzungsmittel zu meiden, leitet sich von Forschungsergebnissen ab, die darauf hinweisen, dass diese die B12-Aufnahme stören und somit B12-Mangelsymptome verschlimmern können. Unter Umständen verursachen sie sogar die Bildung von B12-Analoga, welche den körperlichen Bedarf an B12 erhöhen.

Im Bezug auf B12 selbst ist es jedoch oft notwendig und angemessen, dieses in isolierter Form zu ergänzen. Die vielen Faktoren unseres modernen Lebensstils, welche die komplizierten Aufnahmewege dieses wichtigen Nährstoffs blockieren können – von Nährstoffmängeln über Belastung mit Giften aus industriell gefertigter Nahrung, welche die Magensäure reduzieren, bis hin zu Autoimmunerkrankungen und Enzymdefekten – erschweren es, ausreichende Mengen über eine gewöhnliche Ernährung zu erhalten. Da Vitamin B12 Nahrungsergänzungsmittel exakt gleich produziert werden wie in der Natur, nämlich durch bakterielle Fermentierung, ist die Gefahr von hohen Dosen in den meisten Fällen vernachlässigbar.

B12-Ergänzungsmittel haben das Potential, das Leben eines Grossteils der Bevölkerung –nicht nur der älteren Leute – zu verbessern. Regelmässig Tests und Ergänzungen je nach Notwenigkeit sind ein wichtiger Schritt für den Übergang von einer modernen Ernährung hin zu einer nährstoffdichten, traditionellen Ernährung, welche nach einer oder zwei Generationen keine Ergänzungsmittel mehr nötig hat.


Zeichen von B12-Mangel

Vermindertes Wachstum/Entwicklung bei Kleinkindern
Entzündete Zunge
Vorzeitige graue Haare
Gestörter Kohlenhydratstoffwechsel
Müdigkeit
Schwäche
Gewichtsverlust
Verstopfung
Unfruchtbarkeit
Sehprobleme
Hörverlust und Tinnitus
Taubheit und Prickeln in den Händen und Füssen
Alkoholismus
Impotenz
Inkontinenz
Hyperpigmentierung und Hypopigmentierung
(dunkle und helle Flecken auf der Haut)
Neuralgie, Neuritis und Bursitis
Anämie, inkl. perniziöse Anämie
Degeneration der Wirbelsäule
Schuppenflechte und andere Hautprobleme
Degeneration des Gehirns
Schlaflosigkeit
Irrationale und chronische Ängste
Gewalttätiges Verhalten
Gleichgewichtsstörungen / abnormer Gang
Jegliche emotionalen Störungen inkl. Geisteskrankheiten

Abklärung eines B12-Mangels

Der erste Schritt bei der Abklärung eines B12-Mangels ist eine Untersuchung des B12-Spiegels im Blut. Viele Ärzte glauben jedoch, dass der Blutspiegel ein unzuverlässiger Indikator für B12-Mangel darstellt und dass der Spiegel von B12 in den Geweben trotzdem ziemlich niedrig sein kann, auch wenn der Blutspiegel normal ist. Sie empfehlen deshalb zusätzlich zu testen, ob Homocystein und Methylmalonsäure erhöht sind. Diese Stoffe sind Vorläufer von Stoffwechselreaktionen, die von B12 kontrolliert werden. Da Homocystein aus verschiedenen Gründen erhöht sein kann (Folsäuremangel, B6-Mangel, Nierenfunktionsstörungen, Schilddrüsenunterfunktion und bestimmte genetische Defekte), betrachten Ärzte erhöhte Methylmalonsäurewerte für den zuverlässigeren Indikator eines B12-Mangels.

Ein weiterer Test ist der Schilling-Test, bei dem eine winzige Dosis von radioaktiv markiertem B12 über den Mund zugeführt und die aufgenommene Menge gemessen wird. Wenn B12 nur dann aufgenommen wird, wenn gleichzeitig der intrinsische Faktor verabreicht wird, ist die Diagnose einer perniziösen Anämie bestätigt.

Weil die Testung so kompliziert ist, keine Einigkeit über normale Werte besteht und der Absorptionsprozess in vielen Punkten gestört sein kann, sind viele Ärzte zum Schluss gekommen, dass der einzig Weg, einen subtilen B12-Mangel im Blut besonders bei älteren Leuten auszuschliessen, darin besteht, Veränderungen (insbesondere psychologische) nach B12-Verabreichung zu beobachten und nach Erfahrung die beste Menge zu bestimmen, die ein Patient individuell braucht. Da B12 nicht toxisch ist, ausser vielleicht bei extrem hohen Dosen, stellt der erfahrungsmässige Gebrauch von hohen Dosen zur Behandlung von Patienten keine Gefahr dar.

Vermeidung von B12-Mangel

Nehmen Sie eine ausreichende Menge über die Nahrung auf. Leber oder Muscheln einmal wöchentlich ist der beste Weg, um eine angemessene Einnahme zu gewährleisten.

Vermeiden Sie einen übermässigen Konsum von Nahrungsmitteln, die die B12-Aufnahme behindern oder den körperlichen Bedarf an B12 erhöhen, so z.B. Soja und Spirulina.

Vermeiden Sie magensäureneutralisierende Medikamente. Medikamente, die die Magensäure unterdrücken, wie Tagamet, Zantac und Losec können zu einem ernsthaften B12-Mangel führen. (Koop H. Aliment Pharmacol Ther 1992;6:399-406 [review]; Marcaurd SP et al. Ann Intern Med 1994;120:211-215).

Vermeiden sie Diabetes-Medikamente wie Glucophage welche die B12-Absorption stören. (Archives Int Med 2002 Feb 25;162:484-85)

Konsumieren Sie reichlich Kalzium. Kalzium ist an der Aufnahme von B12 im unteren Dünndarm beteiligt. Die besten Quellen sind rohe Milchprodukte und Knochenbrühen. (Knochenbrühen helfen auch, Entzündungsvorgänge im Darm, die Absorptionsprobleme verursachen können, zu heilen). Dolomit-Pulver kann ebenfalls als Kalzium-Quelle verwendet werden.

Nehmen Sie Kokosfett und konsumieren Sie von Milchsäurebakterien fermentierte Nahrungsmittel: Diese helfen, gegen Krankheitserreger wie Helicobacter Plyori anzukämpfen, welcher mit B12-Mangel assoziiert ist. Eine Ausrottung dieses Krankheitserregers behebt oftmals B12-Mängel. (Archives of Internal Medicine, May 8, 2000 160:1349-53)

Meiden Sie Nahrungsmittel, die mit Folsäure angereichert sind. Die Einnahme von Folsäure ohne B12 kann Anzeichen eines B12-Mangels in den roten Blutkörperchen maskieren, schützt jedoch nicht vor Mängel im Nervensystem. Folsäure und B12 arbeiten zusammen und jedes Ergänzungsprogramm sollte beide Nährstoffe beinhalten. (Institute of Medicine. Food and Nutrition Board. Dietary Reference Intakes: Thiamin, riboflavin, niacin, vitamin B6, folate, vitamin B12, pantothenic acid, biotin, and choline. National Academy Press. Washington, DC 1998).

Meiden Sie exzessive Dosen Vitamin C, besonders über längere Zeit. Die Fähigkeit von Vitamin C, B12 zu zerstören, wurde von mehreren Forschern beobachten, auch wenn dies von anderen bestritten wird. Kleinere Mengen von natürlichem Vitamin C sind eine bessere Wahl, als grosse Mengen von synthetischem Vitamin C. (Herbert V and Das KC. Folic acid and vitamin B12. In: Shils ME, Olson JA, Shike M, eds. Modern Nutrition in Health and Disease. 8th ed. PhiladelphiaL Lea & Febiger, 1994:404.)

Rauchen Sie nicht. Zigaretten- und Zigarrenrauch erniedrigen die Vitamin B12-Reserven des Körpers. (New Eng J Med 1995 Nov 2;333(18):1176-82).

Nehmen Sie zusätzlich B12 bevor und nach einer Operation. Anästhesien mit Lachgas (N20) verbrauchen B12, eine Tatsache, die viele postoperative Depressionen erklären könnte. (Marie RM and others. Arch Neurol 2000 Mar;57(3):380-2).

Meiden Sie Impfungen, die Thimerosol und andere Quecksilber-Verbindungen enthalten. Vitamin B12 wird durch Quecksilber erschöpft. (J Molecular Psychiatry Apr 2004).

Meiden Sie Schimmelpilze in ihrer Umgebung und in Nahrungsmitteln. Schimmelpilzgifte interferieren mit der normalen Funktionsweise von Vitamin B12. (Anyanwi EC and others. Scientific World Journal 2004 Aug;4:736-45).

Nehmen Sie keine empfängnisverhütenden Pillen, welche B12-Reserven erschöpfen können.
(Henley S. Body Forum 1977 Jan 30;2(7):20; Sutterlin MW and others. Eur J Obstet Gynecol Reprod Biol 2003 Mar 26;107(1):57-61; Lussana F and others. Thromb Res 2003;112(1-2):37-41).

Nehmen Sie B12-Ergänzungsmittel, wenn Sie eine Krankheit haben, die B12 beinträchtigen kann, wie z.B. Zöliakie, Morbus Crohn und ähnliche Darmkrankheiten, besonders wenn sie älter sind und irgendwelche Symptome eines B12-Mangels aufweisen.

B12-Ergänzung: Injektionen oder Pillen?

B12-Mangel wird standardmässig mit Injektionen behandelt. Injektionen befördern B12 direkt in die Blutbahn und umgehen so jegliche Engpässe im komplizierten Absorptionsprozess. Injektionen sind bei extremem Mangel angezeigt, wenn B12-Speicher rasch aufgefüllt werden müssen. Das Standard-Verfahren sieht eine Verabreichung von 1000mcg täglich für 3 Tage vor, danach einmal wöchentlich für einen Monat und schliesslich eine Injektion pro Monat für unbegrenzte Zeit.

Injektionen sind jedoch unangenehm und teuer und verlangen regelmässige Arztbesuche, es sei denn, der Patient der ist fähig, sich selbst Injektionen zu verabreichen. Ausser in sehr dringlichen Fällen, werden heutzutage in der Medizin immer mehr orale Supplemente, besonders sublinguale Tabletten, befürwortet. Fachpersonen raten heute zu einer Menge von 100-250mcg pro Tag als Erhaltungsdosis. Leute mit Absorptionsschwierigkeiten benötigen möglicherweise etwa 1000-2000mcg pro Tag. Solche Dosen sind sicher, da keine toxischen Wirkungen von Kobalamin bekannt sind. Diejenigen mit Absorptionsschwierigkeiten werden nur einen Bruchteil der Dosis aufnehmen (über eine Diffusion durch die Darmwand), aber Studien weisen darauf hin, dass eine regelmässige Einnahme von oralen Supplementen Mängel bei Leuten mit Absorptionsproblemen beheben. Tatsächlich hat eine kürzlich durchgeführte Studie gezeigt, dass bei der Behebung von niedrigen B12-Spiegel bei perniziöser Anämie die orale Verabreichung von täglich 2000 mcg dreimal so effektiv war wie Injektionen. (Journal of the American Geriatrics Society, January 1997 45(1):124).

Dr. John Dommisse empfiehlt Lutschtabletten mit sehr hohen Dosen (2000/2500 mcg), welche täglich nach einer oder zwei Mahlzeiten genommen werden. Sie sind gleich effektiv wie Injektionen, um Serum B12-Werte im optimalen Bereich zu halten. (www.johndommisse.com/b12.html)

Nasale Gel-Zubereitungen haben sich ebenfalls als wirksam gezeigt, um optimale Serum B12-Spiegel aufrecht zu erhalten, allerdings bleibt diese Ergänzungsmethode umstritten. Eine andere mögliche Verabreichungsform, die von Dr. Joseph Mercola empfohlen wird, ist die Aufnahme über die Haut, indem B12 mit DMSO vermixt wird. (www.mercola.com/2000/aug27/vitamin_b12_deficiency.htm)

Die am häufigsten verwendete Form von B12 in den USA ist Zyanokobalamin. Nur zwei Formen sind jedoch im Körper wirksam, Methylkobalamin und Adenosylkobalamin. Zyanokobalamin muss im Körper über eine enzymatische Abspaltung von Zyanid-Molekülen zu Methyl- oder Adenosylkobalamin umgewandelt werden (die Zyanidmenge, die bei diesem Prozess anfällt, ist sehr klein, könnte aber immer noch problematisch sein), während der Körper Ergänzungsmittel mit Methylkobalamin unmittelbar verwerten kann. Methylkobalamin ist die einzige aktive Form von Vitamin B12, die in den USA zur Zeit kommerziell erhältlich ist. In einer Studie, in der untersucht wurde, ob B12 die Lebenszeit von Mäusen mit Krebs verlängern kann, führte Methylkobalamin zu einer signifikanten Lebenszeitverlängerung, während Zyanokobalamin keine Wirkung zeigte. (Tsao CS and Myashita K. Pathobiology 1993;61(2):104-8).

Die Patientin, die 6 Monate lang weinte

Aus Nutrition Prescription von Dr. H.L. Newbold

Vor ein paar Jahren wurde eine 66 Jahre alte Frau von ihrer Tochter in meine Praxis gebracht. Die Tochter behauptete, dass ihre Mutter die letzten 6 Monate unkontrolliert geweint hätte und in letzter Zeit unfähig geworden sei, ihre Hausarbeit zu verrichten. Sie hatte 5 Ärzte aufgesucht, die sie auf 5 verschiedene Arten behandelt hatten, hauptsächlich jedoch mit Antidepressiva und Beruhigungsmitteln. Ein Arzt gab ihr Injektionen mit verschiedenen Vitaminen, die aber auch nichts genützt hatten.

Trotz eines normalen B12-Spiegels gab ich ihr eine Injektion mit 1000mcg Vitamin B12. Ich sagte mir: Entweder verbessert sich ihr Zustand rasch oder sie braucht Antidepressiva. Falls die Antidepressiva nichts helfen würden, bräuchte sie eine Elektrokrampftherapie.

Als sie drei Tage später wieder in meine Praxis kam, ging es ihr bedeutend besser. Sie weinte nicht mehr und berichtete, dass sie sich viel stärker fühlen würde und das erste Mal seit Monaten die Nacht durchgeschlafen hätte.

Beim nächsten Besuch drei Tage später schaute sie glücklich aus. Sie berichtete, dass sie die Hausarbeit wieder erledigen könne.

Bei den folgenden Visiten wurde der Tochter beigebracht, die Injektionen ihrer Mutter zweimal wöchentlich oder öfters, falls nötig, zu verabreichen. Als sie nach ein paar Wochen wiederkam, erzählte mir diese in die Jahre gekommene Frau, dass sie es jeweils nach 3-4 Tagen förmlich spüren könne, wie sich ihre B12-Speicher entleeren würden und dass sie nach einer Injektion jeweils völlig wiederhergestellt sei. Zu diesem Zeitpunkt fühlte sie sich wieder wie vor zehn Jahren und sie war wieder mit zahlreichen Hausarbeiten beschäftigt, die sie, wie so viele dieser guten deutschen Hausfrauen, sehr genoss.

Sie wurde angewiesen, die Injektionen öfters zu nehmen. Wenn die Injektionen ihr einen Schub verleihen würden, hätte sie bereits zu lange gewartet.

Diese Frau ist ein gutes Beispiel eines vitaminabhängigen Individuums. Ich bin mir sicher, dass wir ihre Serum-Vitamin B12-Spiegel auf eine enorme Höhe gehoben haben. Es wäre eine Geldverschwendung gewesen, sie noch einmal zu testen.

Wahrscheinlich war sie eine von den Leuten, deren Enzymfunktion im Alter immer mehr abnimmt. Diese Patientin konnte jedoch wiederhergestellt werden, indem ihr massive Dosen eines Vitamins verabreicht wurden. Es ist sogar möglich, dass bestimmte Stoffwechselwege, die normalerweise kein B12 benötigen, umgeleitet wurden und von diesen gestärkten Enzymen Gebrauch machten. Auf jeden Fall haben ein paar wenige Injektionen von B12 eine weinende, abgeschlagene alte Frau in eine fröhliche ältere Hausfrau mit strahlenden Augen verwandelt, die ihre aktive Rolle im Leben wiedergewinnen und ihre restlichen Jahre geniessen konnte.

Um solche Verwandlungen geht es in der Chemie und Ernährungslehre.

Vitamin B12 und der Nobelpreis

Die Entdeckung, Beschreibung, Isolation und Synthese von B12 ist ein gutes Beispiel von Wissenschaft in seiner besten Form und resultierte in vier Nobelpreisen, drei in der Chemie und einer in der Medizin.

1934: Whipple (Kalifornien), Minot und Murphy (Massachusetts) gewannen den Nobelpreis der Physiologie und der Medizin für die Entdeckung des antiperniziösen Faktors in Leber.

1964: Dorothy Crowfoot Hodgkin (Oxford) gewann den Nobelpreis der Chemie für die Analyse der Kristallstruktur des B12-Kristalls. Er verwendete dafür eine neuartige Röntgen-Technik.

1965: R.B. Woodward (Harvard), der mit B12 arbeitete, gewann den Nobelpreis der Chemie für hervorragende Leistungen in der Kunst der organischen Synthese.

Quellen von Vitamin B12

Mollusken (Muscheln, Austern etc.), 85 Gramm 84.1 mcg
Rindsleber, ein Stückchen 49.9 mcg
Forellen, wild, 85 Gramm 5.4 mcg
Lachs, 85 Gramm 4.9 mcg
Forellen aus Fischfarm, 85 Gramm 4.2 mcg
Rindsfilet, 85 Gramm 2.4 mcg
Joghurt 1.4 mcg
Milch, eine Tasse 0.9 mcg
Schweinefleisch, gepökelt, konserviert, 85 Gramm 0.6 mcg
Ei, hartgekocht 0.6 mcg
Hühnerbrust, eine Hälfte 0.3 mcg

Vitamin B12 Empfohlene Tagesdosis

Alter empfohlene Tagesdosis
0-6 Monate unbestimmt
7-12 Monate unbestimmt
1-3 Jahre 0.9 mcg
4-8 Jahre 1.2 mcg
9-13 Jahre 1.8 mcg
14 und älter 2.4 mcg
Schwangerschaft 2.6 mcg
Stillzeit 2.8 mcg

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